Posts mit dem Label Aktuelles werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Aktuelles werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 20. Oktober 2019

Wahlen in Kanada

Am 21.Oktober sind Wahlen in Kanada und Amtsinhaber Justin Trudeau hat einen schweren Stand. Nach aktuellen Umfragen führt er 0,4 Prozentpunkte vor seinem Hauptgegener, der Konservativen Partei und an die absolute Mehrheit wie 2015 ist nicht zu denken.

Sein größtes Problem im Wahlkampf war dabei die sogenannte "SNC-Lavalin-Affäre".

SNC-Lavalin ist eine Baufirma aus Montréal, der vorgeworfen wird, bis zu 50 Millionen Dollar an Bestechung für libysche Staatsangestellte gezahlt zu haben. In Kanada werden Firmen, die gegen die strikten Anti-Korruptionsrichtlinien verstoßen, bis zu 10 Jahre von der Ausschreibung öffentlicher Aufträge ausgeschlossen. Die Firma bemühte sich insofern, nachdem ein entsprechendes Verfahren eingeleitet worden war, um ein sogenanntes DPA (deferred prosecution agreement). Der Generalstaatsanwalt kann unter einem DPA die Verfolgung von Straftaten verschieben, wenn das betroffene Unternehmen Entschädigungen leistet und glaubwürdig interne Kontrollen aufbaut, um entsprechende Straftaten in der Zukunft zu verhindern.

Justin Trudeau und Jody Wilson-Raybould - Quelle:BBC


Die zuständige Justizministerin Jody Wilson-Raybould wollte jedoch nicht zu diesem Mittel greifen, da sie den entsprechenden Behörden vertraute und jeden Eindruck politischer Einmischung vermeiden wollte. Das Mittel der DPA wurde übrigens nach Publikwerden der Bestechungsvorwürfe und vor der offiziellen Anklage auf massives Betreiben von u.a. SNC-Lavalin erst eingeführt.

Justin Trudeau, in dessen Wahlbezirk SNC-Lavalin seinen Hauptsitz hat, hatte nach dieser Entscheidung ein Meeting mit Jody Wilson-Raybould, in der er ihr die wirtschaftlichen Folgen für die Region vor Augen führte und sie bat, diese Entscheidung zu überdenken. Die Justizministerin fühlte sich durch Trudeau wie auch in der Folge durch mehrere seiner Mitarbeiter massiv unter Druck gesetzt, was der Premierminister natürlich anders sieht. Der Ethikkomissar nahm eine Untersuchung auf und bestätigte, dass hier unangemessen Druck ausgeübt wurde. Ernsthafte Strafen kann er allerdings nicht verhängen, Justin Trudeau hatte einige 100 Dollar zu zahlen.

Im Januar diesen Jahres gestaltete Justin Trudeau sein Kabinett um und machte Jody Wilson-Raybould von der Justiz- zur Veteranenministerin. Einen Monat später trat sie zurück. In der Folge trat auch die Haushaltsministerin Jane Philpott zurück. Beide Frauen wurden im April von Justin Trudeau auch aus der Fraktion ausgeschlossen und nicht wieder als Kandidatinnen für die jetzt stattfindenden Wahlen aufgestellt.

Neben  den Vorwürfen, Korruption zu decken, ist die Affäre für Justin Trudeau unangenehm, da Jody Wilson-Raybould als Angehörige der First Nations ein besonderes Aushängeschild für seine Politik des Ausgleichs mit den kanadischen Ureinwohnern war. Ein kürzlich aufgetauchtes Foto aus 2001, das Trudeau im Rahmen einer Schulfeier mit geschwärztem Gesicht zeigt, wird heute ebenso als unpassend empfunden. Auch dass die Regierung Trudeau Berufung einlegt gegen ein Urteil des Canadian Human Rights Tribunal über Entschädigungszahlungen an Angehörige der First Nations wegen erlittenen Unrechts im Rahmen früherer Erziehungsprogramme in den Reservaten, passt nicht ins Bild des multikulturellen Premiers. Er liefert hier einige Angriffspunkte, die seine Gegner gerne nutzen.

Gewählt werden übrigens 338 Abgeordnete des Unterhauses, nach dem relativen Mehrheitswahlrecht. Also, wer in einem Wahlbezirk die meisten Stimmen erhält, ist gewählt. Die Wahlbezirke werden alle 10 Jahre von einer parteiunabhängigen Kommission auf Basis des Zensus neu verteilt. Dabei gilt aber, dass keine Provinz weniger Abgeordnete haben darf, als zu der Zeit, als sie der Konföderation beigetreten ist. Provinzen mit Bevölkerungszuwachs, wie Ontario oder British Columbia, sind insofern ggü. Provinzen mit Bevölkerungsschwund, wie Nova Scotia oder Prince Edward Island etwas unterrepräsentiert.
Die Wahlen werden immer an einem Montag durchgeführt. Die Wahlzeiten werden so gelegt, dass möglichst alle Ergebnisse zur gleichen Zeit vorliegen. Bei 6 Zeitzonen kann es in Zeiten von Social Media allerdings vorkommen, dass die Ergebnisse aus dem Osten bereits publik werden, während in British Columbia die Wahllokale noch geöffnet sind.
Entlegene Wohngegenden wie Leuchttürme oder Orte, die nur per Flugzeug erreichbar sind, werden übrigens von Service Agents besucht. Sie reisen vor der Wahl mit den Wahlurnen an und reisen weiter, wenn alle Anwohner gewählt haben.

Wahlberechtigt sind alle Kanadier ab 18 Jahren.  Man lässt sich entweder bei Elections Canada als Wähler registrieren und erhält dann eine Voter Card, oder man weist sich durch ein oder mehrere Dokumente aus, die die Identität (Foto) und die aktuelle Adresse nachweisen. Das geht vom üblichen Führerschein bis hin zum Blutspendeausweis. Es gibt eine lange offizielle Liste der zulässigen Dokumente. 
Früher durften Kanadier, die länger als 5 Jahre außer Landes gelebt haben, nicht wählen. Inzwischen kann man sich registrieren lassen und wählt dann für den Wahlbezirk, der die letzte Adresse in Kanada war.

Samstag, 27. Oktober 2018

Cannabis in Kanada

Quelle: Wikipedia
Seit dem 17.Oktober 2018 ist Cannabis in Kanada legal. Das war eines der Wahlversprechen von Justin Trudeau und entspricht auch der Empfehlung vieler Experten. Die Idee dahinter ist, kriminelle Netzwerke so von einer Geldquelle abzuschneiden und stattdessen auf staatlicher Ebene von dem Geschäft zu profitieren.
Wer über 18 Jahre alt ist, darf ab sofort in Kanada bis zu 30 g Cannabis in speziellen, staatlich zugelassenen Geschäften oder online kaufen, besitzen und mit anderen Erwachsenen teilen. Außerdem darf man als Erwachsener bis zu 4 Cannabispflanzen, die man ebenfalls über staatliche Stellen bezogen hat, in seinem Haushalt haben. Die müssen aber natürlich entsprechend gesichert sein, damit Kinder oder Jugendliche nicht herankommen. Die Weitergabe von Cannabis an Minderjährige oder der Bezug über nicht autorisierte Stellen stehen unter Strafe. Versteht sich, dass Autofahren oder das Bedienen von Maschinen unter Cannabis-Einfluss verboten sind. Außerdem ist es nicht erlaubt, mit Cannabis die kanadische Grenze zu überqueren, auch nicht bei der Einreise. Bei der Ausreise wäre es ohnehin ungeschickt, da im Zielland Cannabis verboten sein dürfte - außer Urugay hat kein anderes Land der Welt Cannabis bisher legalisiert.
 
Der 17. Oktober ist landesweit mit Spannung erwartet worden. Es gibt sehr wenige staatliche zugelassene Geschäfte, in BC z.B. ausschließlich eines in Kamloops, weil die Zulassung so lange dauerte (bzw. es erst einmal dauerte, bis die Regeln dafür feststanden). Außerdem wurde ein echter Run auf Cannabis vermutet und man wartet gespannt, ob es zu einer Angebotsknappheit kommt. In der Tat meldet z.B. Alberta bereits, dass die Bestände knapp werden. Jeder Haushalt hat vor dem Termin auch einen Flyer im Briefkasten gehabt, in dem die Regeln auf Englisch und Französisch noch einmal erklärt wurden.
 
Zu medizinischen Zwecken war Cannabis in Kanada übrigens bereits seit 2001 erlaubt. Wir haben auch in Vernon mehrere Läden, wo man gegen eine ärztliche Bescheinigung Cannabis erwerben konnte. Die mussten jetzt unter der neuen Regelung allerdings alle schließen. Wie es mit ihnen weitergehen soll, ist noch nicht ausdiskutiert. Gratis abgeben dürfen sie Cannabis aber offensichtlich, es ging nämlich durch die Presse, dass ein Laden genau das gemacht hat - natürlich nur an die Stammkundschaft.
 
Die Preise bewegen sich übrigens je nach Qualität zwischen 5 und 14$ pro Gramm, Öle oder Kapseln kosten bis zu 60 $ das Gramm. Die Preisfindung war durchaus schwierig, weil man teuer genug sein möchte, um nicht allzu sehr zum Konsum anzuregen (und um möglichst viel zu verdienen, natürlich), aber nicht so teuer, dass sich der Kauf auf dem Schwarzmarkt lohnen würde. Inwieweit das mit diesen Preisen gelungen ist, kann ich nicht beurteilen.

Sonntag, 7. Oktober 2018

Waldbrände 2018

Nach einem unüblich frühen Herbsteinbruch kann man jetzt die Waldbrandsituation dieses Jahr Revue passieren lassen.
2017 galt mit 12.161 km² verbrannter Fläche als ein Rekordjahr, 2018 hat es Ende August mit 13.500 km² noch übertroffen. Zum Vergleich: bei den verheerenden Waldbränden in Kalifornien, über die in der deutschen Presse ausführlich berichtet wurde, sind 6.105 km² verbrannt. Allerdings leben in Kalifornien fast 40 Millionen Menschen, in BC 4,5 Millionen und BC ist mehr als doppelt so groß wie Kalifornien.
Nichtsdestotrotz, die in 2017 und 2018 verbrannte Fläche ist größer als die der 25 Jahre davor zusammengenommen.
 
Die Ursachen sind vielfältig: auch in BC war es ein extrem heißer Sommer. In Kelowna fielen zwischen Juni und August nicht einmal die Hälfte der üblichen Regenmengen. An der Pazifikküste gab es ab 24. Juli eine Hitzewelle mit reihenweise Rekorden. Die Durschnittstemperaturen wurden hier um 5-8 Grad übertroffen, alleine 11 Ortschaften hatten neue Hitzerekorde zu vermelden mit Temperaturen teils über 40 Grad. Am Pazifik!
 
Zustände wie die in den vergangenen zwei Saisons hatten Experten erst für 2050 erwartet. Durch die wärmer werdende Arktis schwächt sich der polare Jetstream ab. Das führte dazu, dass die Hochdruckgebiete sich über British Columbia richtig festgesetzt haben - kein Wind, der sie weggeblasen hätte. So sind die Pflanzen immer stärker ausgetrocknet und es kam vermehrt zu Hitzegewittern. Gut 2/3 der Waldbrände wurden durch Blitzeinschläge ausgelöst. Allein am 11. August kam es in der Provinz zu mehr als 20.000 Blitzeinschlägen. Der Rest der Brände beruht allerdings auf menschlichem Handeln. Zur Wahrheit gehört leider auch, dass es nach wie vor gedankenlose Menschen gibt, die mitten in potenziellem Waldbrandgebiet Flaschen liegen lassen oder Zigaretten aus dem Fenster schnippen (was unter Strafe steht).
 
Die stabile Wetterlage hatte auch zur Folge, dass der Qualm der Feuer sich wie eine Dunstglocke über die Provinz gelegt hat: sobald man das Haus verlassen hat, kratzte es im Hals und tränten die Augen, auch innerhalb des Haues war der Qualm zu riechen. Die Luftqualität wurde mehrfach auch in Städten wie Vancouver mit 10+ angegeben. Das +, weil die Grenzwerte für die oberste Stufe 10 übertroffen wurden. Es wurde massiv davon abgeraten, sich im Freien zu bewegen, auf gar keinen Fall sollte man dort Sport machen. Konsequenterweise mussten in Kelowna das traditionelle Drachenbootrennen und auch der 35. Apple Triathlon (nach der Frucht, nicht der Firma) abgesagt werden. Insgesamt gab es in British Columbia 60 Tage sogenannte Air Quality Alerts.
 
Vancouver im Feuerqualm
Bild: CTV Vanvouver News
Die Brandprävention hat man aber auch lange vernachlässigt, wie Experten jetzt bemängeln. Bereits 2003 waren bei einem großen Waldbrand bei Kelowna 239 Häuser vernichtet worden. Eine daraufhin einberufene Kommission empfahl, die Umgebung von Siedlungen von potenziellem Brandmaterial wie Totholz  oder auch einzelnen Büschen zu räumen. Passiert ist seitdem wenig.
Diese präventiven Aufräumarbeiten können natürlich nur durch schweres Gerät oder kontrollierte Brände vorgenommen werden. Als Kosten wurden 2015 ca. 10.000 kanadische Dollar pro Hektar geschätzt. Ca. 10% der empfohlenen Gebiete wurden seit 2015 entsprechend bereinigt. Auch in Predator Ridge gibt es jährlich einen "Fire Smart"-Termin, bei dem Freiwillige einen Streifen des Waldes um uns herum von Totholz befreien.
 
Für die Bekämpfung der Waldbrände in 2017/2018 wurden inzwischen 1 Milliarde kanadische Dollar ausgegeben. Die Regierung unterstützt daher jetzt auch massiv die Prävention: über die nächsten drei Jahre sollen Kommunen und First Nations (die in diversen Gebieten eine eigenständige Verwaltung haben) 50 Millionen kanadische Dollar hierfür erhalten und auch im Haushalt wird ein Posten für Waldbrandprävention eingestellt. Bis die Maßnahmen wirklich greifen wird es aber noch einige Jahre dauern.
 
Derweil tauen im benachbarten Alberta durch Waldbrände die Permafrostböden unwiderruflich auf, dreimal so schnell wie erwartet. Das führt zu Schäden bei Straßen und Gebäuden und setzt jede Menge Treibhausgase frei. Im Okanagan gibt es große Einbußen bei der Honigherstellung, weil die Bienen im Rauch viel langsamer geflogen sind und die Weinbauern machen sich Sorgen, dass die Trauben das rauchige Aroma übernommen haben könnten.

Montag, 16. April 2018

Handelskriege

Über Handelskriege wird ja derzeit viel gesprochen. Es gibt aber auch einen innerhalb von Kanada: Alberta hatte zwischenzeitlich die Lieferung von Wein aus BC untersagt, droht die Öl- und Gaslieferungen nach BC zu drosseln, Premierminister Trudeau unterbricht eine Auslandsreise... Was ist da los?
 
Es geht um den Bau der Trans Mountain Pipeline, die aus den Ölsanden Albertas gewonnenes Bitumen in den Hafen von Vancouver bringen soll. Der Bau der Pipeline wurde 2016 von der kanadischen Regierung genehmigt. Sie ist Teil des Gesamtkonzepts der liberalen Regierung von Premier Trudeau mit dem man Ökologie und Ökonomie versöhnen will. Die vorhandenen Rohstoffe sollen weiter genutzt werden (im Ölsand Albertas soll mehr Öl lagern als in Saudi-Arabien), während andererseits der Preis für Kohlenwasserstoffe angehoben wird und der Schutz der Ozeane massiv vorangetrieben wird.
Der Bau ist die Erweiterung einer bereits existierenden Pipeline und wird das transportierte Volumen von 300.000 Barrel auf 890.000 Barrel täglich fast verdreifachen. Das 7,4 Mrd. $ Projekt wird von der amerikanischen Firma Kinder Morgan durchgeführt. Die entsprechend steigenden Einnahmen aus dem Verkauf sind im Budget der Provinz Alberta fest eingeplant.



Nun waren 2017 in British Columbia Wahlen und die bis dato regierenden Liberalen wurden durch eine Koalition aus NDP und Grünen abgelöst. Für die Grünen ist es gänzlich indiskutabel, dass Vancouver sich als 'grüne' Stadt präsentiert und gleichzeitig mit der Pipeline BC zu einem der größten Rohölexporteure der Welt wird. Den Bau der Pipeline zu verhindern ist Teil des Koalitionsvertrages. Die meisten Kanadier stimmen dem Plan von Premierminister Trudeau zu, die Öl- und Gasressourcen des Landes auszubeuten, während auf eine karbonfreie Wirtschaft umgestellt wird. In BC wird das kontrovers gesehen, 23% sind dafür, 24% dagegen.
 
BCs Premier Horgan besteht darauf, dass er niemandem drohen will, aber sich natürlich um seine Provinz kümmern muss. Er hat allerdings schon sehr früh einen früheren Richter des Supreme Court engagiert, um nach gesetzlichen Möglichkeiten zu suchen, den Bau der Pipeline zu stoppen. Nach der kanadischen Verfassung ist hier eindeutig die Zentralregierung zuständig. Aber BC hat natürlich Möglichkeiten: die Umweltverträglichkeit kann neu geprüft werden, es können auch neue Provinzgesetze geschaffen werden, die weitere Prüfungen verlangen. Diese würden vermutlich von der Zentralregierung gekippt, aber das ist langwierig und wäre für die Regierung in Ottawa auch politisch riskant - Trudeau kann es sich nicht leisten, viele Wähler in BC zu vergraulen. Horgan könnte aber auch einfach auf die zu erwartenden Rechtsstreite mit Umweltverbänden und First Nations setzen.
 
Im Februar verkündete die Regierung von BC, dass man erst genauer prüfen will, welche Lösungen für mögliche Unfälle vorgesehen sind. So wäre nicht klar, wie sich das zu transportierende verdünnte Bitumen in Wasser verhält. Darauf reagierte Alberta dann mit dem Verkaufsstopp für BC Wein. Dieser wurde nach zwei Wochen aufgehoben, als Premier Horgan bekannt gab, vor Gericht prüfen zu lassen, ob BC das Recht hat, nationale Vorhaben durch Provinzgesetze zu beeinflussen. Das hält ihn aber nicht davon ab, weiterhin zu drohen, die Regeln in BC so zu verändern, dass weniger Öl durch die Pipelines transportiert werden darf. Die oppositionellen Liberalen in BC weisen derweil darauf hin, dass durch solche Vorhaben vermehrt Rohöl auf der Schiene transportiert werden könnte: das Risiko ist hier höher als bei Pipelines und dieser Transportweg entzieht sich definitiv der Zuständigkeit der Provinzregierung.
 
Die fortlaufenden Diskussionen haben dazu geführt, dass Kinder Morgan am 8. April angekündigt hat, alle nicht-essentiellen Arbeiten an der Pipeline einzustellen. Bis 31. Mai will man Garantien der Regierung, dass das Projekt fertiggestellt werden wird, sonst könne man seinen Aktionären diese finanzielle Unsicherheit nicht zumuten. Alberta überlegt jetzt, sich finanziell beim Bau der Pipeline zu engagieren, bis hin zum Kauf der Pipeline, erwartet aber auch von der Zentralregierung ein entsprechendes Engagement.
 
Nachdem es Anfang April in einer Sitzungspause bereits ein Emergency-Meeting des kanadischen Kabinetts zu dem Fall gab, hat Justin Trudeau jetzt auf dem Weg von Lima nach Paris Sonntag einen ungeplanten Zwischenstopp in Ottawa gemacht, um mit den beiden Premiers die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Nach dem Treffen stellt er noch einmal fest, die Pipeline werde in jedem Fall gebaut. Er könnte sie offiziell als von 'national interest' deklarieren und damit eindeutig die Zuständigkeit an sich ziehen. Davor schreckt er aber vermutlich zurück, weil das seiner Partei in British Columbia sehr schaden dürfte. Auch die von Albertas Premier vorgeschlagene Einschränkung nationaler Transferleistungen an BC dürfte aus demselben Grund unterbleiben. Trudeau versucht weiterhin, den Konflikt 'auf die kanadische Art' zu lösen: mit vielen freundlichen Gesprächen mit allen Beteiligten.
 
Die nationale Opposition nutzt das natürlich aus und sieht eine Gefährdung des kanadischen Rufs. Die Verlässlichkeit gegenüber der Industrie stehe auf dem Spiel.
 
Premier Horgan wies hingegen darauf hin, dass die erforderlichen Genehmigungen ohne Verzögerung abgearbeitet werden. Von Kinder Morgan wurden bisher 587 Provinz-Genehmigungen angefragt, davon sind 201 genehmigt, 386 noch in Prüfung. Insgeamt sind allerdings 1.187 Genehmigungen erforderlich, von denen viele eine Konsultation mit betroffenen First Nations erfordern, die traditionell derlei Vorhaben kritisch gegenüber stehen.
 
Der Krimi dürfte also in jedem Fall weitergehen.

Sonntag, 23. Juli 2017

Waldbrände in BC

Man hört in Deutschland nichts davon, aber in British Columbia wüten seit Wochen verheerende Waldbrände. Die Provinz ist seit dem 7. Juli im Ausnahmezustand, der gerade bis mindestens 4. August verlängert wurde
 
Derzeit gibt es 161 Brände, von denen 15 direkt Kommunen bedrohen. Im benachbarten Alberta stehen unter anderem 4.100 Hektar Wald im Nationalpark Banff in Flammen.
44.000 Bewohner British Columbias sind evakuiert - bei einer Bevölkerungszahl von 4,5 Millionen.
BC Wildfire Services haben eine Karte mit den derzeitigen Waldbränden veröffentlicht. Flammen stehen für Brände, die noch nicht unter Kontrolle sind, gelbe Punkte für Brände, die man inzwischen unter Kontrolle hat und rote Punkte für neue Brände.


Auch in unserer Gegend waren Waldbrände. In Lake Country, unterhalb von uns direkt am Okanagan Lake war ein Brand, der über 300 Häuser bedroht hat - 8 sind wohl mindestens niedergebrannt. Auch "unsere" Winery Gray Monk stand unter Evacuation Alert, so nah war das Feuer. Evacuation Alert bedeutet, dass alles so weit vorbereitet sein muss, dass man bei entsprechender Aufforderung umgehend die Gegend verlassen kann.
Foto von KISS fm Vernon
Nach den starken Regenfällen im Frühjahr gab es in British Columbia über lange Zeit Temperaturen von 30 Grad und mehr. Das hat erst durch eine sehr schnell einsetzende Schneeschmelze zu Hochwasser geführt, und jetzt zu den Waldbränden. Eine Besserung ist nicht in Sicht, auch für die nächsten 2 Wochen sind anhaltend hohe Temperaturen angekündigt und nur wenig Regen.
Die Rauchwolke der Waldbrände ist von Vancouver Island bis Saskatchewan zu spüren. Das ist die Provinz östlich von Alberta  und mindestens 800 km entfernt.
Aus dem All sehen die Rauchwolken so aus:
 
 
 
Für Bootsbesitzer heißt die aktuelle Lage, dass sie nachdem erst der Seezugang wegen der Hochwassersituation gesperrt war, jetzt nicht aufs Wasser können, weil weite Bereiche für die Löschflugzeuge gesperrt sind.

Sonntag, 2. Juli 2017

Canada Day!

Dass Kanada dieses Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiert, kann einem nirgends entgehen. Auch wenn die First Nations diesen Termin naturgemäß kritisch sehen, so ist es doch in ganz Kanada ein großes Fest.



Am 1. Juli war es dann so weit. Am Briefkasten hing in der Vorwoche eine Einladung zu einer gemeinsamen Feier in der Neighbourhood, da sind wir natürlich hingegangen.
Jeder brachte etwas zu essen mit, was man trinken wollte ebenfalls und falls gewünscht einen Stuhl zum Sitzen. Für Dekoration, Zelte gegen die Sonne und rot-weißes Geschirr war gesorgt.
 


Ein solches Fest, wo jeder etwas beiträgt, nennen die Kanadier übrigens 'Potlatch', nach einem indianischen Fest. Das war allerdings ursprünglich anders organisiert, aber davon ein andermal mehr.
 
Die Kanadier kamen meist in rot-weiß, mit Kanada-T-Shirt, oder anderen netten Dekorationen:


  

Versteht sich, dass auch das Essen, wo möglich, kanadisch auftrat:



So saß man dann gemütlich den Nachmittag über zusammen und lernte weitere Nachbarn kennen - auch einen anderen Deutschen. Der lebte allerdings nur im Alter von 8-16 in Deutschland (und das ist schon länger her), so dass beim Reden das ein oder andere deutsche Wort gesucht wurde. Aber der schwäbische Dialekt war eindeutig!
 
 





 

Samstag, 17. Juni 2017

Hochwasser

Die Seen hier haben schon länger erhebliches Hochwasser. Der Wasserstand des Okanagan Lake ist 75 cm über dem Normallevel und damit auf dem höchsten je gemessenen Stand.
Das letzte Hochwasser war im Mai 1997. Damals hatte man einen Wasserstand von 342,79m (ja, der See ist tief), inzwischen werden über 343m gemessen. Der vorherige Höchststand waren 342,89m in 1990.
 
Es hat im Frühjahr sehr viel geregnet und wurde dann sehr schnell sehr warm, so dass die Schneeschmelze sehr heftig einsetzte.
 
Auch die anderen Seen, wie Lake Kalamalka und die ganzen kleineren Seen haben erhebliches Hochwasser. Überall schützen sich die Anwohner mit Sandsäcken und Flutsperren, soweit möglich. Das Fahren mit Motorbooten ist wegen der entstehenden Wellen nicht erwünscht. Offiziell verbieten kann man es nicht, aber die öffentlichen Boat Launches sind geschlossen und es wird überall darauf hingewiesen, dass man keine Wellen machen soll. Soweit wir das sehen halten sich auch alle daran, man sieht keinerlei Motorboote auf dem See.
 
So sehen auf dem Lake Okanagan z.Zt. die meisten Bootsstege aus:

 
Und dieser Wohnwagen am Lake Kalamalka wurde wohl nicht rechtzeitig in höhere Lagen umgesetzt.
 
 
Auch den weiter im Landesinneren liegenden Mabel Lake hat das Hochwasser nicht verschont:
 
 
Wir kennen ihn eigentlich mit diesem hübschen Strand:
 
 
 


 

Samstag, 10. Juni 2017

Wahlen, Teil 2

Wer den letzten Post gelesen hat, fragt sich vielleicht, warum ich nicht auch die Ergebnisse der Wahlen mitteile. Die Erklärung ist einfach: die standen lange Zeit nicht fest.
Die Wahlergebnisse waren in mehreren Bezirken so knapp, dass auch die Briefwähler erst vollständig ausgezählt werden mussten. In einem Bezirk führte ein Kandidat mit ganzen 9 Stimmen, in ein par anderen waren die Abstände nicht erheblich größer. Die Stimmen der Briefwähler werden innerhalb von 13 Tagen nach der Wahl in die Bezirke geliefert und dort ausgezählt. Eine Vorgehensweise die jetzt in Frage gestellt wird, da die berechtigte Frage auftaucht, wie es denn sein kann, dass man im Jahre 2017 2 Wochen auf ein offizielles Wahlergebnis warten muss.
 
Jetzt aber steht das offizielle Endergebnis fest - es gab im übrigen keine Veränderung zu dem vorläufigen der Wahlnacht vom 9.5.

BC Liberals
43
BC NDP
41
BC Greens
3


Provinzweit ist der Stimmenunterschied gering. Die Liberals haben 40,38% der Stimmen, die NDP 40,26% der Stimmen erhalten. Für die Grünen haben 16,84% gestimmt. Ganze 1.566 Stimmen trennen Liberals und NDP. Na, wer rechnet jetzt schnell aus, wieviele Wähler es in BC gibt?
 
Das läuft jetzt erst einmal darauf hinaus, dass Christy Clark mit den Liberals eine Minderheitsregierung bildet. In Kanada ist das an sich nicht ungewöhnlich, in BC allerdings wäre das das erste Mal seit 65 Jahren. Das Zünglein an der Waage sind jetzt die Grünen.
 
Die Grünen sind sich eigentlich mit der NDP einig, dass sie eine Koalition eingehen wollen und die Liberals stürzen. Allerdings haben sie dann nur eine Stimme Mehrheit - und in BC wird bei der ersten Versammlung des neuen Parlaments zuerst der Speaker gewählt, der üblicherweise nicht an parlamentarischen Abstimmungen teilnimmt, schon gar nicht sie entscheidet. Den Speaker muss diese Koalition stellen.
Als nächstes würde dann Christy Clark ihre Rede als potenzielle Ministerpräsidentin halten. Um sie in der folgenden Abstimmung abzuwählen, müsste der neue Speaker als erste Tat gegen besagte Regel verstoßen, um das Patt aufzulösen.
 
Ein wichtiger Punkt in der Koalition und auch für die Wähler ist übrigens die Änderung der Parteienfinanzierung: man möchte Spenden von Firmen und Gewerkschaften vollständig verbieten und Spenden von Privatpersonen in der Höhe beschränken; im Gespräch sind die in der Provinz Québec geltenden 100$. Da hat wohl der Nachbar im Süden abschreckende Wirkung.
 
Das neue Parlament kommt am 22.6. zum ersten Mal zusammen, der Tag dürfte spannend werden.

Montag, 8. Mai 2017

Wahlen

Dieses Wochenende sind nicht nur die Wahlen in Schleswig-Holstein und Frankreich, auch in British Columbia wird gewählt - allerdings erst am Dienstag, da ist man etwas amerikanisch. Es gibt aber auch ein Advance Voting an verschiedenen Wahlorten, das bereits ab 29.4. zur Verfügung steht und die Möglichkeit der Briefwahl.
 
Jeder Wahlberechtigte kann in jedem Wahllokal von BC wählen gehen, und davon gibt es reichlich: alleine in Vernon gibt es 7 Wahllokale. Zum Nachweis der Wahlberechtigung benötigt man einen Ausweis mit Bild und Adresse oder zwei offizielle Dokumente mit Namen, wobei mindestens eines nachweisen muss, dass man in BC lebt. Also z.B. den Führerschein, oder eine Geburtsurkunde und den Studentenausweis.
 
Gewählt werden die Abgeordneten der Legislative Assembly, dem Parlament von British Columbia. Sie besteht aus 85 Abgeordneten, die in den 85 Wahlkreisen nach dem Mehrheitswahlrecht gewählt werden. Die Mehrheitspartei stellt den Premierminister. Amtierende Premierministerin ist Christy Clark von der British Columbia Liberal Party, die seit 4 Wahlperioden den Premierminister stellt.
Im Parlament vertreten sind darüber hinaus noch die British Columbia New Democratic Party, die Green Party of British Columbia und die Unabhängigen mit einem Sitz.
Christy Clark
 
Die British Columbia Liberal Party, kurz BC Liberals, sind unabhängig von der kanadischen liberalen Partei (der der Premierminister Justin Trudeau angehört) und decken ein liberal-konservatives Spektrum ab. Eine rein konservative Partei nach deutschem Verständnis gibt es in British Columbia nicht.
Die British Columbia New Democratic Party ist Teil der New Democratic Party auf Bundesebene, was in Kanada eher ungewöhnlich ist. Sie ist sozialdemokratisch ausgerichtet.
Die Ausrichtung der Green Party dürfte klar sein. Die Greens sind nach eigener Aussage die einzige Partei, die keine Unternehmensspenden oder Spenden der großen Gewerkschaften annimmt.
Die bestimmenden Themen der Wahl sind die wirtschaftliche Entwicklung, die steigenden Hauspreise (vor allem, aber nicht nur in Greater Vancouver), ein Handelsstreit mit den USA über Holzlieferungen und die Finanzierung von Schulen und Kinderbetreuung.
 
 
 

Sonntag, 5. März 2017

Schnee im März

Wir hatten hier im Okanagan einen ungewöhnlich kalten Winter, mit in dieser Gegend unüblichen -20 Grad über längere Zeiten hinweg. Und auch jetzt im März schneit es weiterhin. In Silverstar sind teilweise über Nacht fast 40cm Neuschnee gefallen.


Man kann da auch schnell mal von der Welt abgeschnitten sein: Predator liegt erhöht, beide hierhin führenden Straßen führen kurvenreich bergan. Beim letzten Schneefall waren sie dann beide stundenlang durch Unfälle blockiert. Auch die Schneeräumfahrzeuge kamen nicht durch.
 
Überhaupt: Schnee wird hier nicht wirklich geräumt (außer vielleicht auf den Highways). Die Schneeräumfahrzeuge räumen den losen Schnee weg und hinterlassen eine feste Schneedecke, auf die dann noch Split gestreut wird. Es ist eben Winter in Kanada, da muss man mit Schnee klar kommen - oder Geduld haben.
Im April werden dann die Straßen grundgereinigt und der Split entfernt.
 
Die Schneemassen führen auch immer wieder dazu, dass die Highways gesperrt werden müssen: weil die Räumfahrzeuge die Schneemenge nicht bewältigen können, oder auch wegen Lawinengefahr.
Aktuell sieht es bei uns so aus, und es soll weiterschneien:
 

Sonntag, 28. August 2016

Wildfire bei Predator Ridge

Das war ein Schreck auf dem Rückflug: während wir in Vancouver auf weitere Informationen zu unserem verspäteten Flug warten, erhalten wir eine Mail von den Nachbarn. Hinter dem Sparkling Hills Hotel brennt es.


Um 15:20 wurde das Feuer wohl entdeckt. Zwei Löschflugzeuge und ein Helikopter haben es aus der Luft bekämpft, 20 Leute waren am Boden.

 
Die Truppen von BC Wildfire und dem Vernon Fire Departement haben das Feuer gottseidank recht schnell in den Griff gekriegt, gegen Abend hat es auch angefangen zu regnen. Über Nacht ist es auf eine Fläche von 6 Hektar angewachsen, was aber als gering eingestuft wird (kanadische Größenverhältnisse).
Das Feuer heißt jetzt 'Kookanee Road Fire' und ist als Stufe 1 Feuer eingestuft. Das bedeutet ein leichter Grasbrand ohne große Rauchentwicklung. Es ist unter Kontrolle, aber noch nicht endgültig gelöscht. Weitere 20 Feuerwehrleute sind angekommen, um das Feuer endgültig zu löschen, sogenannte Hotspots aufzuspüren etc. Business as usual für die hiesige Feuerwehr. Die Evakuierungsaufforderung für 45 Häuser in der näheren Umgebung wurde aufgehoben.
 
Der Grund für den Ausbruch des Feuers wurde inzwischen auch entdeckt: eine Stromleitung war vom Wind heruntergerissen worden und hat dabei wohl einen Baum berührt und in Brand gesetzt.
 
Unser Flug wurde übrigens gecancelled. Die Lufthansa hat das Problem nicht in den Griff gekriegt (die Organisation für die gestrandeten Passagiere einer Boeing 747 auch nicht). Wir haben jetzt einen weiteren Tag in Vancouver, bevor wir Plätze in einem Flug nach Frankfurt haben.