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Freitag, 27. Mai 2016

Raben

In Deutschland nerven sie ja eher, oder wirken bedrohlich. Die christliche Dämonisierung des Raben als Unheilsbringer wirkt wohl weiterhin.
Wenn sie in Kanada aber über die weite Landschaft segeln und gelegentlich ein Krächzen ausstoßen, wirken sie sehr majestätisch. Man versteht dann, warum der Rabe in der indianischen Mythologie als Schöpfer der Welt verehrt wird.



Der Rabe ist der größte Singvogel der Welt. Er wird bis zu 64 cm lang und hat dann eine Flügelspannweite von 130-150 cm. Rabe gelten als ausgesprochen intelligent (sie stellen z.B. selber Werkzeug her) und sind lebenslang monogam.
 
Im indianischen Mythos hat der Rabe die Sonne und die Sterne am Himmel aufgehängt. Daher wird er auch oft mit einer Sonne im Schnabel dargestellt.
Glasskulptur von Preston Singletary:
 
Raven in glass by Preston Singletary:
 
Laut einer anderen Legende flog der Rabe über das große Wasser. Er hatte einen Beutel um den Hals und als er müde wurde, nahm er einen Stein aus dem Beutel und warf ihn ins Wasser, damit entstand das erste Land und der Rabe konnte rasten. Er flog weiter und nach und nach nahm er Dinge aus seinem Beutel und erschuf so die Pflanzen und die Tiere und alles was es auf der Erde gibt. Zum Schluss nahm er den Menschen aus dem Beutel und setzte ihn auf die Erde, damit er auf alles achte rund  es bewahre.
Das Bild "Raven - Creation & Knowledge" zeigt den Raben als Erschaffer der Welt.

Raven Creation & Knowledge - Bringer of the Light, magic One of the most prominent figures of the first peoples. The Raven is credited with giving the light, fire, and water to the Indians. He had the power to change at will into an animal form or to that of a human being. The Raven is the transformer, trickster and creator. Known in legends as the one who released the sun, moon, and stars; discovered man in a clamshell; brought the salmon and the water; and taught man how to fish and hu...:  
 
 
Bill Ried mit seinem Kunstwerk "Raven and the first men", das heute im Museum of Anthropology der Univerity of British Columbia steht:

Bill Reid (1920 - 1998) & Skidegate Totem http://www.fineartpaintingtips.com/bill-reid-1920-1998-and-the-skidegate-totem/:
 
Bill Reid war einer der bedeutendsten First Nations-Künstler. Die Skulptur zeigt, wie der Rabe nach einer Sintflut unter einer Muschel völlig verängstigte Menschen entdeckt und ihnen die Schönheit der Welt zeigt. Diese Menschen sind die Ahnen der Haida, Bill Reid's Stamm.



Sonntag, 16. August 2015

Der Begriff ‚First Nations‘


Bis zum Eintreffen der Europäer gab es keinen Anlass, einen übergreifenden Begriff für die Bevölkerung des amerikanischen Kontinents zu bilden. Die Eigenbezeichnung vieler Gemeinschaften ist häufig einfach gleichbedeutend mit ‚Mensch‘. Der Begriff ‚Indianer‘ ist eine Fremdbezeichnung der kolonialen europäischen Eroberer und wird von den damit gemeinten Mitgliedern der indigenen Bevölkerung abgelehnt oder zumindest gemieden.
1982 wurde erstmals offiziell der Begriff ‚First Nations‘ bei der Benennung der Versammlung der First Nations benutzt. Er bezeichnet alle indigenen Völker in Kanada, außer den Métis (Nachkommen von Cree und Europäern) und den Inuit. Sollen diese ebenfalls eingeschlossen werden, wird z.B. von ‚First Peoples‘ gesprochen.
Obwohl der Begriff ‚First Nations‘ auch von den kanadischen Behörden verwendet wird, ist er juristisch nicht genau festgelegt. Die zuständigen Behörden bevorzugen in Rechtsfragen die Bezeichnung ‚Indianer‘, auch das zuständige Ministerium heißt ‚Department of Indian Affairs and Northern Development‘.
Wer ein Indianer ist, wird rechtlich exakt seit 1876 durch den Indian Act vom Staat definiert.  Um als Indianer staatlicherseits anerkannt zu werden, muss man einem der anerkannten Indianerstämme angehören. Ausschlaggebend für die Bestimmung der Stammeszugehörigkeit durch den Staat ist die patrilineare Abstammung, auch wenn die First Nations selber teilweise die matrilineare Abstammung als relevant betrachten.
Am Begriff Status Indian hängt eine Anzahl von Rechten und Ansprüchen gegenüber der Regierung. Diese beziehen sich auf Landrechte, materielle Zuwendungen und Schutz vor Enteignungen. Von den rund 700.000 Menschen, die sich als Mitglieder der First Nations verstehen, zählen etwa 565.000 zu den 617 vom Staat anerkannten Stämmen (Stand: Anfang 2014), von denen allein fast 200 in British Columbia leben. Etwa 133.000 gehören keinem Stamm an, gehören also zu den First Nations und sind dennoch im juristischen Sinne keine Indianer.
Der staatlichen Definitionsgewalt soll mit dem Begriff First Nation ein eigenes Verständnis entgegengesetzt werden. Dieses besteht darin, dass jeder Stamm selbst bestimmt, wer ihm angehören soll, und dass die Anerkennung als Stamm nicht von einer staatlichen Behörde abhängt. Somit gibt es zahlreiche First Nations, die nicht offiziell als Stämme gelten. Gleichzeitig wird der Charakter einer souveränen Nation mit allen Rechten und Pflichten stärker betont. Eine Nation kann sich auf das Völkerrecht berufen, eine ethnische Gruppe nur auf Minderheitenschutz.
Als nationales Repräsentationsorgan fungiert die Versammlung der First Nations. Die Ziele der Organisation sind die Wahrung der Rechte, Vertragsbedingungen und Forderungen der First Nations. Die Anführer der First Nations treffen sich einmal jährlich, um die politischen Richtlinien in Resolutionen festzulegen. Diese Versammlung hat für die First Nations neben der politischen auch eine starke kulturelle Bedeutung.