Montag, 8. Mai 2017

Wahlen

Dieses Wochenende sind nicht nur die Wahlen in Schleswig-Holstein und Frankreich, auch in British Columbia wird gewählt - allerdings erst am Dienstag, da ist man etwas amerikanisch. Es gibt aber auch ein Advance Voting an verschiedenen Wahlorten, das bereits ab 29.4. zur Verfügung steht und die Möglichkeit der Briefwahl.
 
Jeder Wahlberechtigte kann in jedem Wahllokal von BC wählen gehen, und davon gibt es reichlich: alleine in Vernon gibt es 7 Wahllokale. Zum Nachweis der Wahlberechtigung benötigt man einen Ausweis mit Bild und Adresse oder zwei offizielle Dokumente mit Namen, wobei mindestens eines nachweisen muss, dass man in BC lebt. Also z.B. den Führerschein, oder eine Geburtsurkunde und den Studentenausweis.
 
Gewählt werden die Abgeordneten der Legislative Assembly, dem Parlament von British Columbia. Sie besteht aus 85 Abgeordneten, die in den 85 Wahlkreisen nach dem Mehrheitswahlrecht gewählt werden. Die Mehrheitspartei stellt den Premierminister. Amtierende Premierministerin ist Christy Clark von der British Columbia Liberal Party, die seit 4 Wahlperioden den Premierminister stellt.
Im Parlament vertreten sind darüber hinaus noch die British Columbia New Democratic Party, die Green Party of British Columbia und die Unabhängigen mit einem Sitz.
Christy Clark
 
Die British Columbia Liberal Party, kurz BC Liberals, sind unabhängig von der kanadischen liberalen Partei (der der Premierminister Justin Trudeau angehört) und decken ein liberal-konservatives Spektrum ab. Eine rein konservative Partei nach deutschem Verständnis gibt es in British Columbia nicht.
Die British Columbia New Democratic Party ist Teil der New Democratic Party auf Bundesebene, was in Kanada eher ungewöhnlich ist. Sie ist sozialdemokratisch ausgerichtet.
Die Ausrichtung der Green Party dürfte klar sein. Die Greens sind nach eigener Aussage die einzige Partei, die keine Unternehmensspenden oder Spenden der großen Gewerkschaften annimmt.
Die bestimmenden Themen der Wahl sind die wirtschaftliche Entwicklung, die steigenden Hauspreise (vor allem, aber nicht nur in Greater Vancouver), ein Handelsstreit mit den USA über Holzlieferungen und die Finanzierung von Schulen und Kinderbetreuung.
 
 
 

Montag, 1. Mai 2017

Größenverhältnisse

Dass Kanada das zweitgrößte Land der Welt ist, ist ja den meisten bekannt. Dass es nicht sehr dicht besiedelt ist, meist auch. Die absoluten Zahlen und wie das relativ zu Deutschland oder Europa steht, vergesse ich aber auch immer. Daher jetzt hier einmal eine Übersicht:
 
Kanada ist 9.985.000 km² groß und hat 36,29 Millionen Einwohner (Stand 2016).
 
Damit ist es fast so groß wie ganz Europa (inkl. dem europäischen Teil von Russland), das eine Fläche von 10,18 Millionen km² hat. Die Einwohnerzahl entspricht allerdings der von Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hessen zusammengenommen.
 
British Columbia hat eine Größe von 944.735 km² und ist damit fast dreimal so groß wie Deutschland.
 
In British Columbia leben 4,4 Millionen Menschen, davon 2,4 Millionen im Großraum Vancouver. Damit leben im Großraum Vancouver ungefähr so viele Menschen wie im Großraum Frankfurt und die restliche Fläche teilen sich die Bewohner von Hamburg - wohlgemerkt eine Fläche, die dreimal der Größe von Deutschland entspricht.
Wenn man den Ballungsraum nicht berücksichtigt, könnte man auch einfach sagen, dass in BC etwas mehr Menschen leben als in Rheinland-Pfalz (4 Millionen Einwohner).

Sonntag, 19. März 2017

Lake Kalamalka

Wir sind von zwei großen Seen umgeben: dem Okanagan Lake im Westen und dem Lake Kalamalka im Osten.
Der Lake Kalamalka ist 16 km lang und bis zu 3 km breit, bei einer Tiefe von bis zu 142m.
Er ist berühmt für seine starke Farbigkeit im Sommer; blau, grün, Türkis kommen gleichzeitig vor. Das liegt daran, dass Calciumcarbonit von früheren Gletschern in dem See vorkommt. Wenn das Wasser im Sommer wärmer wird, löst sich das Calciumcarbonit und bildet Kristalle, die das Licht in diesen Farben reflektieren. wenn das Wasser zum Winter hin wieder kühler wird, nimmt dieser Effekt ab. Es gibt noch diverse weitere Seen mit diesem Effekt in Kanada. Wenn man im Juli/August mit dem Flugzeug über das Land fliegt, sieht man sogar aus der Luft die türkisfarbenen Seen. Die Farbigkeit des Kalamalka erreichen aber nur wenige.


Bild: tripadviser.ca
 
Der Name Kalamalka geht auf einen indianischen Häuptling zurück, der im 19. Jahrhundert am Nordufer des Sees lebte. Nicht nachweisbar, aber gut möglich ist eine Verbindung zum Hawaiianischen Wort "Kalamaleka": Sonne Amerikas. Um die Zeit gab es viele hawaiianische Arbeiter der Hudson's Bay Company in der Gegend und gerüchteweise war einer von ihnen der Vater von Chief Kalamalka.
 
Im Sommer ist der Lake Kalamalka sehr beliebt: es gibt unterschiedliche Strände oder Möglichkeiten Boote zu Wasser zu lassen. Kal Beach in Coldstream, ca. 15 Minuten im Auto von uns entfernt, ist ein großer Sandstrand, an dem der See sehr flach ist. Entsprechend beliebt ist der Strand bei Familien. Außerdem kann man sich hier Kanus oder Stand-Up-Paddles ausleihen, was mich total begeistert hat.


Rund um den Lake Kalamalka gibt es diverse Provincial Parks: der Kalamalka Lake Provincial Park lädt mit vielen Wanderwegen (Vorsicht: hier gibt es Klapperschlangen!) und Stränden zur Erkundung ein, Kekuli Bay Provincial Park hat eine große Anlage um Boote zu Wasser zu lassen, und auch das Cougar Canyon Ecological Reserve gehört zu den Schutzgebieten rund um den See. Im Kalamalka Lake Provincial Park und Kekuli Bay Provincial Park gibt es auch große Campingplätze.

Bei Kekuli Bay wurde eine stillgelegte Eisenbahnstrecke in einen Wanderweg umfunktioniert. Bisher sind dort vor allem die Eisenbahnschwellen entfernt und man hat einen groben, aber flachen Schotterweg. Die Idee ist aber, diesen Weg zu befestigen, so dass dort Familien zu Fuß oder per Rad Ausflüge machen können. Wir haben ein paar sonnige Tage genutzt um den Weg zu erkunden:
 

 
Auch am Lake Kalamalka werden Bäume weihnachtlich geschmückt:
 
 
Wegen seiner Tiefe friert der Lake Kalamalka eigentlich nicht zu, aber an den Rändern kommt es natürlich doch zu Eisbildung, was zu diesem hübschen Effekt geführt hat:
 
 

Samstag, 11. März 2017

Ski laufen in Silver Star

Dieses Jahr war es dann so weit und wir sind jetzt in Silver Star auch mal Ski gefahren. Da wir sozusagen nur um die Ecke wohnen, fahren wir natürlich nur bei schönem Wetter und dann kann man diese Ausblicke genießen:
 
 
Wer genau hinschaut, sieht, dass die Pistenbezeichnungen hier manchmal ganz lustig sind. Es gibt "Whiskey Jack", aber auch "Run On Empty" oder den "Toilet Trail" und nicht zu vergessen die "Bergerstrasse"!
Die Pisten werden hier übrigens nicht regelmäßig präpariert. Das wird einem aber netterweise im "Grooming Report" im Internet oder auch auf Tafeln überall im Skigebiet angezeigt. Man muss sich also von unpräparierten Pisten nicht überraschen lassen:
 
 
Innerhalb der Woche (das Wochenende überlassen wir der arbeitenden Bevölkerung) ist wirklich kaum etwas los. Dass man an einem Lift anstehen muss, hat Seltenheitswert. Besonders im März, wenn keine Skikurse mehr sind.
Aber apropos Anstehen: wer in Europa Ski fährt, kennt ja das 'aktive Anstehen'. D.h. man muss sich schon ein bisschen breiter machen und in dem Knäuel vor dem Lift die Lücken suchen um zumindest nicht völlig abgedrängt zu werden.
Gaaaanz anders in Kanada: zum einen stehen an jedem Lift nette junge Leute aus Australien, Neuseeland, UK,... und scannen die Liftkarte. Falls erforderlich organisieren sie auch die Schlange oder helfen in den Lift. Es gibt meist 3 Seiten, von denen man in den Lift kann. In der Mitte treffen sich die Kurse, die dann en bloc in den Lift einsteigen. Da wird ganz selbstverständlich an den Seiten gewartet. An den Seiten bilden sich nach Möglichkeit bereits Gruppen in der dem Lift entsprechenden Anzahl, also meist 4 oder 6. Dann schaut man sich freundlich an und geht üblicherweise abwechselnd vor an den Lifteinstieg. Kein Gedränge, keine Ungeduld...
Wir waren Anfang des Jahres mit Kanadiern am Arlberg Ski fahren und sie waren sehr irritiert über das Ansteh-Verhalten dort. Ich kann das jetzt verstehen.
 
Die Lifte selbst sind übrigens eher funktionell. Von 'Bubbles', die man bei Wind oder Schneefall schließen kann oder gar beheizten Liften (Arlberg) hat hier noch niemand gehört. Und Kanadier öffnen den Liftbügel mindestens zwei Pfeiler vor der Endstation - wenn sie ihn überhaupt zumachen.
 
 
Eine süße Idee sind in Silver Star noch die verzierten Bäume am Rand einzelner Lifte. Da werden dann die verschneiten Tannenbäume mit Christbaumkugeln dekoriert und einzelne sogar der Jahreszeit angepasst und z.B. für den Valentinstag oder die Osterzeit umdekoriert.
 
 
Ein besonderer Service sind außerdem die 'Mountain Hosts'. Die gibt es für Alpin- und Langläufer. Sie haben Hemdchen über, auf denen sie als solche ausgewiesen sind und man kann sie um 10 Uhr an einem ausgewiesenen Treffpunkt im Ort finden, aber auch jederzeit unterwegs ansprechen. Als Gratis-Service von Silver Star zeigen sie einem das Skigebiet und erklären, was man wissen möchte. Natürlich angepasst auf die jeweiligen Skifähigkeiten und -wünsche.
 
 

Sonntag, 5. März 2017

Schnee im März

Wir hatten hier im Okanagan einen ungewöhnlich kalten Winter, mit in dieser Gegend unüblichen -20 Grad über längere Zeiten hinweg. Und auch jetzt im März schneit es weiterhin. In Silverstar sind teilweise über Nacht fast 40cm Neuschnee gefallen.


Man kann da auch schnell mal von der Welt abgeschnitten sein: Predator liegt erhöht, beide hierhin führenden Straßen führen kurvenreich bergan. Beim letzten Schneefall waren sie dann beide stundenlang durch Unfälle blockiert. Auch die Schneeräumfahrzeuge kamen nicht durch.
 
Überhaupt: Schnee wird hier nicht wirklich geräumt (außer vielleicht auf den Highways). Die Schneeräumfahrzeuge räumen den losen Schnee weg und hinterlassen eine feste Schneedecke, auf die dann noch Split gestreut wird. Es ist eben Winter in Kanada, da muss man mit Schnee klar kommen - oder Geduld haben.
Im April werden dann die Straßen grundgereinigt und der Split entfernt.
 
Die Schneemassen führen auch immer wieder dazu, dass die Highways gesperrt werden müssen: weil die Räumfahrzeuge die Schneemenge nicht bewältigen können, oder auch wegen Lawinengefahr.
Aktuell sieht es bei uns so aus, und es soll weiterschneien:
 

Freitag, 27. Januar 2017

Kanada feiert sein 150-jähriges Bestehen

 
Natürlich wurde Kanada schon früher besiedelt. Die ältesten Spuren von Menschen finden sich im Yukon-Gebiet und reichen bis 12.000 v.Chr. zurück. Da war in Europa der Neandertaler bereits ausgestorben.
Die Besiedlung des heutigen British Columbia erfolgte wohl um 9.000 v.Chr. Haida Gwaii im Nordwesten BCs, vor Prince Rupert gelegen, wurde um 7.500 v.Chr. besiedelt und hat mit den Haida eine der ältesten ortskonstanten Besiedlungen der Welt.
 
Nach einem kurzen Besuch der Wikinger um 1000 n.Chr. eroberten ab ca. 1500 die Europäer Kanada von Osten aus. Erst Portugiesen, später dann aber auch Franzosen. 1608 gründeten sie die Stadt Québec.
Antrieb für die weitere Erkundung Kanadas durch die Europäer war vor allem die Suche nach der Nordwest-Passage, die den Zugang nach Süd- und Ostasien erleichtern sollte.
 
Von den heutigen USA aus stießen auch die Engländer nach Kanada vor. 1609 nahm Henry Hudson die nach ihm benannte Hudson Bay für England in Besitz. Die inzwischen unabhängigen USA versuchten mehrfach erfolglos, die britische Kolonie Kanada zu erobern. Man einigte sich schließlich auf den 49. Breitengrad als Grenze.
 
Um möglichen weiteren US-amerikanischen Angriffen etwas entgegensetzen zu können, wurde am 1. Juli 1867 im British North America Act ein kanadischer Bundesstaat, die Dominion of Canada, gegründet. Sie bestand aus der damaligen Provinz Canada (dem heutigen Québec und Ontario) und den Provinzen New Brunswick und Nova Scotia. Canada war übrigens ursprünglich die Bezeichnung für ein Dorf der Irokesen.
 
Quelle: Wikipedia
 
1869 kaufte die Regierung die Nordwestlichen Territorien und Rupert's Land der berühmten Hudson's Bay Company ab. Viel kaufen kann man da heute noch, ganze Territorien haben sie aber meines Wissens nicht mehr im Angebot. British Columbia schloss sich 1871 der Dominion an.
 
In Deutschland war um diese Zeit Bismarck Kanzler und 1871 wurde nach dem deutsch-französischen Krieg Wilhelm I im Spiegelsaal zu Versailles zum deutschen Kaiser gekrönt.
 
 
Kanada blieb weiterhin von Großbritannien abhängig: die Außenpolitik war in britischer Hand, der britische Privy Council oberstes Berufungsgericht und Verfassungsänderungen nur durch das britische Parlament möglich. 1931 erhielt Kanada mit dem Statut von Westminster weitgehende Unabhängigkeit, 1982 mit dem Kanada-Gesetz auch Unabhängigkeit in Verfassungsfragen.
1982 wurde dann auch der Nationalfeiertag am 1.Juli von Dominion Day in Canada Day umbenannt. Offizielles Staatsoberhaupt ist aber weiterhin Queen Elizabeth II.
 
Quelle: Wikipedia
 
Anlässlich der Feierlichkeiten erhält man für alle von Parks Canada betriebenen Nationalparks, Marine Parks oder historischen Orte freien Eintritt. Dazu gehören z.B. die berühmten Nationalparks von Banff und Jasper oder die nationalen Schutzgebiete von Haida Gwaii und Pacific Rim auf Vancouver Island.
Den Pass kann man Online bestellen (einer genügt für mehrere in einem Auto fahrenden Personen) unter
oder persönlich abholen, z.B. bei Tourism Vancouver, gegenüber des Canada Place.
 
 
 

Mittwoch, 11. Januar 2017

Assessment Letters

In Kanada erhält man Anfang des Jahres als Hausbesitzer einen "Assessment Letter". Darin wird einem mitgeteilt, wie hoch der Staat den Wert des Hauses schätzt, das man besitzt. Das ist die Basis für die jährlich zu entrichtenden Grundsteuern, anders als in Deutschland, wo einmal der Einheitswert festgelegt wird, der dann als Basis stabil bleibt.
 
Im Okanagan hat man dieses Jahr den höchsten Anstieg dieser Schätzwerte seit einem Jahrzehnt zu verzeichnen. Die Wertsteigerungen gehen von 5 bis 20%, vor allem im Central Okanagan rund um Kelowna sogar bis zu 30%. Da das höhere Abgaben zur Folge hat, sind das für viele Hausbesitzer keine erfreulichen Neuigkeiten.
 
Grund für die Wertsteigerungen ist natürlich vor allem die steigende Nachfrage am Immobilienmarkt. Wie eine Verantwortliche so nett sagte: "The economy is stronger in B.C. and it is just a very desirable place to live.”
 
Die Leute kommen aus anderen Teilen Kanadas, aber auch aus der ganzen Welt nach British Columbia. In Vancouver hat man im August die Notbremse gezogen: die Immobilienpreise waren wegen der starken ausländischen Nachfrage dermaßen angestiegen, dass eine zusätzliche Steuer von 15% für Ausländer beim Immobilienkauf eingeführt wurde. Vor allem Asiaten hatten bis dahin Wohnungen gekauft und als reine Geldanlage meist leer stehen lassen - während einheimische Familien sich keine Immobilien mehr leisten können. Nach ersten Auswertungen war die Maßnahme auch erfolgreich, die Anzahl der Immobilienverkäufe in der Vancouver Region ist stark gesunken.